Veränderungen begleiten - Motivierende Fragen für Mitarbeitergespräche

Es gilt ein Mitarbeitergespräch zu führen, bei dem Sie eine Verhaltensänderung des Mitarbeiters anstreben?
Verhaltensveränderungen werden v.a. dann umgesetzt, wenn man sich für die Gründe und über das Ziel der Veränderung im Klaren ist. Aus diesem Grund empfehlen wir Ihnen diese sechs Fragen, mit denen Sie die Motivationsfaktoren bei Ihrem Mitarbeiter herauskitzeln können, so dass dieser sich über seine eigenen Bedürfnisse und Werte in Bezug auf das Thema bewusst wird und motiviert agieren kann.

Was sind gute Fragen für Mitarbeitergespräche?

  1. Welche Gründe könnte es für Sie geben, das Verhalten zu ändern? Oder: Welche Gründe könnte es für Sie geben, das gewünschte Ziel zu erreichen?
  2. Wie groß ist Ihre Bereitschaft, sich zu ändern, auf einer Skala von 1 bis 10, wenn 1 für "überhaupt nicht bereit" und 10 für "absolut bereit" steht?
  3. Was hat Sie bewegt keine niedrigere Zahl zu wählen?
  4. Stellen Sie sich vor, Sie hätten sich bereits verändert (oder das Ziel schon erreicht). Was wären die positiven Ergebnisse für Sie? Was hat sich dadurch verändert?
  5. Was macht diese positiven Ergebnisse für Sie wichtig?
  6. Wenn Sie diese Beweggründe vor sich sehen: Was ist der nächste konkrete Schritt, den Sie gehen wollen, um das Ziel zu erreichen?

Was bewirken die motivierenden Fragen im Mitarbeitergespräch?

Bei der motivierenden Gesprächsführung gibt man das Steuer für die angestrebte Veränderung dem Mitarbeiter in die Hand. Man nimmt dazu zum einen den Druck aus dem Gespräch, zum anderen hilft man dem Mitarbeiter, sich über eigene Beweggründe so klar zu werden, dass er handlungsfähig wird. Bei der ersten Frage geht es erst einmal darum, was für den jeweiligen Mitarbeiter wichtige Beweggründe sind. Geht es Ihnen zum Beispiel darum, dass der Mitarbeiter nicht immer erst auf den letzten Drücker aktiv wird oder Abgabetermine gar verschlampt, könnten Frage und Antwort wie folgt aussehen:

„Welchen Grund könnte es für Sie persönlich geben, in Zukunft die Aufgaben frühzeitig anzugehen und genügend Zeit-Puffer einzubauen?“ Vielleicht lautet die Antwort: Ich möchte meinen Job nicht verlieren, da er mir viel Freude macht und ich damit mein Einkommen sichere. Oder: Mir ist es wichtig, qualitativ hochwertige Arbeit abzuliefern, was mit etwas mehr Vorlauf besser gelingt. 

Die nächsten zwei Fragen gehören zusammen. Die erste davon ist eine Skalierung. „Wie hoch auf einer Skala von 1 bis 10 ist Ihre Bereitschaft bereits jetzt, in Zukunft Aufgaben frühzeitig anzugehen?“
Die nächste Frage hat einen wunderbaren Überraschungsmoment, denn sie lautet: „Was hat Sie bewegt keine niedrigere Zahl zu wählen?“ Anstatt daran zu "mäkeln", dass die Motivation nicht bereits bei 10 ist, hebt sie das Positive heraus und hilft dem Mitarbeiter, sich über seinen eigenen Antrieb klar zu werden.

Motivation statt Trotz erreichen

Ziel ist es, mit diesen Fragen die Widerstände zu vermeiden, die eine "Ansage" oder ein Apell oft nach sich führen ("psychische Reaktanz"). Zudem ist aus der Neurowissenschaft inzwischen bekannt: Ein Großteil unseres Handelns wird unbewusst von unseren Emotionen bestimmt. Motiviert handeln wir, wenn unsere Handlungen mit unseren Werten im Einklang stehen. Das heißt, wenn wir uns unserer Werte und Beweggründe bewusst sind und diese mit der angestrebten Verhaltensänderung verknüpft werden können, werden wir von positiven Emotionen geleitet. Und somit fühlt sich die Veränderung gut an. Wir brauchen uns nicht wehren, sondern stehen selber dahinter.

Das Positive ausmalen

Mit der nächsten Frage wird das Positive und Verlockende der Verhaltensänderung in den Fokus gerückt. Hier versetzt sich der Mitarbeiter in die Zukunft: „Stellen Sie sich vor, Sie fangen die Aufgaben immer frühzeitig an – wie fühlt sich das an für Sie?“ Möglicherweise kommen Antworten wie: Ich fühle mich leichter, der Stress ist raus. Oder: Ich bin früh fertig und kann noch mal drüber schlafen und das Ergebnis danach noch verbessern - das macht mich stolz, ich bin zufrieden mit mir.

Die nächste Frage will daraufhin noch tiefer die persönlichen Gründe herausfinden und verdeutlichen: „Was macht diese positiven Ergebnisse für Sie wichtig?“ Führen Sie mit den Fragen den Mitarbeiter zum "Warum" hinter seiner Motivation. Alternativ können Sie auch formulieren: Wofür ist es für Sie gut, stolz und zufrieden zu sein? Wofür ist es für Sie so bedeutsam, den Stress rauszunehmen?

Die Bereitschaft zur Veränderung ist durch diese Fragen in der Regel gelegt. Mit der nächsten Frage geht es darum, die Verhaltensänderung "alltagstauglich" zu machen. Wie genau gehe ich denn vor, um das Verhalten zu verändern? Was ist der erste Schritt, den ich bereits in den nächsten Stunden umsetze? Was sind die Folgeschritte?

Wir wünschen viel Freude bei Ihrem nächsten Mitarbeitergespräch!