Plötzlich Führungskraft – Was ist jetzt anders?

Ein spannendes Coachingthema, denn oft herrscht ein Irrtum bei Beförderungen vor: „Du machst einfach das Gleiche wie vorher, nur mit mehr Verantwortung und Entscheidungshoheit.“

Schließlich wurdest du meist ausgewählt, weil du deine Aufgaben besonders gut machst, exzellente Fachkenntnisse hast und einfach super in deinem Job bist. Das fühlt sich natürlich gut an, denn deine Leistung wird gesehen. Wirklich ein Grund zur Freude!

Die Realität: Führung ist kein erweiterter Job. Es ist ein kompletter Berufswechsel. Und deine bisherigen fachlichen Stärken zählen ab jetzt erstaunlich wenig.

Die Harvard-Forscherin Linda Hill hat frisch beförderte Führungskräfte durch ihr erstes Jahr begleitet. Fast alle erwarteten:

  • Mehr Autorität.
  • Mehr Spielraum.
  • Mehr Kontrolle.

Was die neuen Führungskräfte tatsächlich erlebten, war etwas ganz anderes:

Sie waren plötzlich stärker abhängig von anderen. Vom Team, von Schnittstellen, von Entscheidungen außerhalb ihrer Kontrolle. Und vor allem: Ihre Leistung wurde nicht mehr daran gemessen, was sie selbst ablieferten – sondern was ihr Team leistete. 

Der häufigste Reflex daraus? „Ich behalte die wichtigen Aufgaben lieber selbst in der Hand. Schließlich muss ich am Ende ja dafür geradestehen.“
Und schon entsteht ein Flaschenhals. Delegieren ist keine Zeitspar-Technik. Es ist eine Umstellung im Rollenverständnis.

Deine Führungsleistung zeigt sich ab heute an dem, was dein Team ohne dich hinbekommt. Und dein Job dreht sich von Fachexpertise hin zum Führen von Menschen.
Klar, deine Fachkompetenz hilft dir die Arbeit deiner Mitarbeitenden einzuschätzen und zu erkennen, wer wie gefördert werden kann. Aber zukünftig wirst nicht du die Person sein, die die kniffligen Lösungen erarbeitet und sich in die Themen vertieft. Du wirst die Person sein, die das Team steuert und die Mitarbeitenden dabei begleitet, die besten Lösungen zu erarbeiten. 

Diesen Rollenwechsel zu verstehen und in die neue Rolle hineinzuwachsen ist absolut wesentlich für die ersten Monate in der neuen Position. 
Warum?
Weil ein paar reflexartige Fallen locken.

3 Reflexe, die fast alle neuen Führungskräfte haben – und die das Leben unnötig schwer machen

Wenn du vom Teammitglied zur Führungskraft wirst, greifen fast automatisch drei typische Verhaltensmuster. Alle sind verständlich. Und alle verschärfen das Problem.

Reflex 1: „Ich muss alles besser können als mein Team.“

  • Folge: Du prüfst alles nach, ziehst Aufgaben an dich und wirst zum Engpass. Das Team lernt: Verantwortung lohnt sich nicht und ist nicht gefragt.
  • Better Way: Wechsel den Maßstab. Entscheide bewusst, welche Entscheidungsräume du komplett übergibst und wo du nah dranbleiben musst (-> siehe auch Situatives Führen).

Reflex 2: „Ich muss beliebt sein.“

  • Folge: Du schluckst Fehler oder Regelbrüche wie Zu-Spät-Kommen so lange, bis es wirklich nicht mehr geht. Wenn du es dann ansprichst, wirkt es wie eine Beschwerde, nicht wie eine Orientierung.
  • Better Way: Klartext ohne Drama. Sprich Dinge an, solange sie noch klein und langweilig sind. Vertrauen entsteht durch Verlässlichkeit, nicht durch erzwungene Harmonie.

Reflex 3: „Führung lerne ich einfach nebenbei.“

  • Folge: Du führst nur noch reaktiv, wenn es brennt. Nach einer Weile bist du erschöpft und das Team orientierungslos.
  • Better Way: Behandle Führung wie ein eigenes Handwerk. Plane feste Lern- und Reflexionszeiten im Kalender ein – in kleinen Einheiten.

Dies bedeutet für neue Führungskräfte:

  • Behandle die erste Beförderung als Berufswechsel, nicht als erweiterte Aufgabe.
  •  Kläre, woran deine Arbeit ab jetzt gemessen wird. Gestalte deine Rolle bewusst.
  •  Entscheide bewusst, was du abgibst und delegierst. Mach dir einen Plan, wie du deine Mitarbeitenden fördern willst, so dass du immer mehr abgeben kannst. 
  •  Sprich Dinge an, solange sie klein sind. So gibst du Orientierung und nimmst Konflikten die Luft aus dem Segel.

Und wenn dir die fachliche Arbeit, die Tiefe und das Erschließen von Inhalten in der neuen Rolle zu sehr fehlen? Dann vergiss nicht: Je eigenständiger dein Team arbeitet, desto eher hast du Zeit, dir eigene Rosinen zu pflücken. So schaffst du dir nämlich auch Raum für die eigentlich wichtigen Themen.

Gut gewählt: Coaching zum Start als Führungskraft

Den Rollenwechsel zu analysieren und zu hinterfragen ist ein entscheidender Schritt für einen guten Start in die neue Aufgabe als Führungskraft. Manchmal ist es hilfreich, dies in Form eines Coachings zu tun, denn der Coach stellt Fragen, auf die du selbst nicht unbedingt gekommen wärst. Und er begleitet dich durch das Gedankenwirrwarr, das ganz automatisch entsteht, wenn die unterschiedlichsten Gesichtspunkte gewichtet werden müssen.

Coaching für Führungskräfte
Jetzt Kontakt aufnehmen!

Tel. 05166 - 48 54 701

Das könnte Sie in Bezug auf Führung auch noch interessieren: